STADTFOTOGRAFIE FRANKFURT
Kleine Turmgeschichte - gestern und heute III
 

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Auch diese Spiegelungen verbinden sich mit der Architektur vergangener Epochen: während des Barock und Rokoko entstanden z.B. Spiegelsäle und Spiegelkabinette, ein Zeichen von Reichtum und Macht. Wer den Spiegelsaal von Versailles kennt, weiß, mit welcher Verblüffung man zunächst auf diese illusionistische Raumerweiterung reagiert. Das Spiel mit der menschlichen Wahrnehmung impliziert immer auch ein Moment der Verunsicherung, weil das, was man sieht, nicht wirklich greifbar, erfassbar ist, jedenfalls nicht auf den ersten Augenblick. Damals wurde diese Spiegelpracht im Innenraum präsentiert, Ähnliches geschieht heute auf den riesigen Fassadenflächen der Hochhäuser: Mauern lösen sich auf, Innen- und Außenraum  durchdringen sich, es entstehen ganz neue – illusionistische – Raumbeziehungen.
 

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Die Spiegelungen nur als unbeabsichtigten Nebeneffekt zu bezeichnen, würde den Erscheinungen nicht gerecht. Durch das Licht-Projektionsspiel, das auf den Fassaden ein bewegtes Eigenleben führt, wird die Massivität der Bauten abgemildert, Strenge aufgelöst: so ist beides präsent, Größe, Höhe, Potenz ebenso wie Transparenz, Beweglichkeit, Spiel.
 

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Auf den Fassaden entfaltet sich ungeheure Pracht, alles in Hochglanzausfertigung, potenzierte Präsenz, präsente Potenz – anderes spiegelnd zeigen, sich selbst spiegeln, sich vervielfachen, ungezählt, vielfältig.
 

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Den Himmel einfangen, wenn man ihn schon nicht ganz erreichen kann, wie auf einem surrealistischen Gemälde von Magritte – da, wo er gar nicht ist, oder doch? Wo ist die Realität, wo ist die Illusion.
Und … leben wir nicht alle von der Illusion?